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Woher der Selbsthass?

stuttgart2„Wenn Millionen von Menschenhassern ein Land stürmen, dessen Bewohner zu zwei Dritteln aus Selbsthassern bestehen und wenn die restliche Bevölkerung ihre Sorgen und die Angst, die angestammte Heimat und die im Laufe der Jahrhunderte liebgewonnene Kultur könnten bald verloren gehen, nicht mehr ausdrücken darf.“ So beginnt der libanesisch-stämmige deutsche Regisseur Imad Karim einen Aufruf auf seiner unlängst gesperrten Facebook-Seite. Er spricht hier beiläufig den Selbsthass der Europäer an, ein Phänomen, das kaum erörtert wird, obwohl es, davon bin ich überzeugt, der Schlüssel zu der desaströsen Politik der etablierten Parteien ist, die vor unseren Augen unser Land ruiniert. Ich habe ihm eine Videobotschaft gewidmet, um den Gedanken einem größeren Auditorium nahe zu bringen. Er verdient es, vertieft zu werden. 

Ein Freund postete folgende Sequenz auf Facebook: „Erleben wir in den gegenwärtigen Zeiten eine europaweite Renaissance rechter Politik, die von den Linken in Deutschland beklatscht und begrüßt wird, selbst wenn diese antidemokratisch ist? Im Gegensatz dazu verteufeln dieselben Linken in Deutschland konservative, im Einklang mit dem Grundgesetz befindliche Politik als Rückkehr zum Nationalsozialismus. Verstehen muss man das nicht mehr.“

Doch, muss man; leider. Und der Selbsthass ist ein unverzichtbarer Schlüssel zu diesem Verständnis. Unter der großen Mehrheit der Deutschen mit Universitätsabschluss in einem geisteswissenschaftlichen Fach herrscht der Wahn vor, das Eigene schlecht und das Fremde gut finden zu müssen. Und dieser Wahn führt dazu, dass jeder stolze Muslim willkommen ist, weil er der verhassten homogenen deutsch-europäischen Leitkultur eine Alternative entgegenstellt, ihre Deutungshoheit zurückweist und sie damit delegitimiert, während der deutsche Traditionalist bekämpft werden muss, denn er will genau diese kulturelle Transformation verhindern. Linke unterstützen die islamische Einwanderung nicht um der Einwanderer willen, sondern um ihres eigenen Wahns willen, die tradierte deutsche Gesellschaft zu überwinden. Ihr Gutmenschentum ist immer ich-bezogen.

Das Phänomen des kollektiven Selbsthasses ist nicht auf Deutschland begrenzt, hier aber besonders ausgeprägt. Es ist in nahezu allen westlichen Ländern zu beobachten. Ein besonders grauenhaftes Beispiel ist Schweden, das per Parlamentsbeschluss die Entscheidung getroffen hat, sich in ein multikulturelles Land zu verwandeln und sich auch von ausufernder sexueller Gewalt, entstehenden No-Go-Areas in den Großstädten und unkontrollierbaren Parallelgesellschaften der zumeist muslimischen Einwanderer von dem Wahnsinnsplan nicht abbringen lässt. In den USA protestierten unlängst (natürlich weiße) Literaturstudenten dagegen, dass sie Shakespeare lesen sollten; schließlich sei der ein „weißer Mann“. Fragte man in den 1950ern Katholiken nach dem Mittelalter, so bekam man stolze Antworten zu den großen Kathedralen wie in Chartres oder Toledo, Gelehrten wie Thomas von Aquin und William von Ockham oder Heiligen wie Bernhard von Clairvaux oder Theresa von Avila. Heutige Kirchenvertreter beginnen stattdessen mit endlosen Entschuldigungen für alles, was ihnen zur Kirchengeschichte einfällt. Die deutsche Geschichte, sofern sie überhaupt noch gelehrt wird, verkommt zu einer Kriminalgeschichte; sie hat auf den Nationalsozialismus hingeführt, erreichte dann ihren Tiefpunkt, und besteht seitdem in der Erinnerung daran.

Die Vorstellung, Teil eines schuldigen Kollektivs zu sein, hat wenig mit der Realität zu tun. Sie basiert zumeist auf einer Mischung von willkürlich herausgepickten Einzeldaten und schlichter Phantasie, gepaart mit einem kollektivistischen Verständnis von Schuld. Was diese Schuldvorstellung so anstrengend macht ist die moralische Überlegenheit, die jene, die von ihr befallen sind, deshalb für sich in Anspruch nehmen. Der Dresdner Oberbürgermeister etwa behauptete zum Jahrestag der Zerstörung der Stadt am 13. Februar, Dresden sei „keine unschuldige Stadt“ gewesen und spuckt so posthum den Zehntausenden Opfern, zumeist Frauen und Kindern, ins Grab. Aber er wähnt sich dabei als einer der Guten. Die amerikanischen Literaturstudenten, die Shakespeare nicht lesen wollen, finden sich moralisch überlegen. Die Reformkatholiken, die keine Gelegenheit auslassen, die Kirchengeschichte schlecht zu reden, bilden sich ein, den Konservativen moralisch überlegen zu sein.

Mir ist dieser Mechanismus zuerst bei den Anhängern der Klimatheorie aufgefallen. Diese dient ja zunächst zur Selbstanklage gegen die entwickelten Länder des Westens: weil wir in Wohlstand leben, verändert sich das Weltklima. Unser Wohlstand wird so zu etwas Schlechtem, wir sind schuld. Diejenigen, die es aussprechen, sind die Guten. Die Lösung besteht in Strafzahlungen und letztlich der Abschaffung des Wohlstandes. Andere Lösungen, etwa ein Programm zur Errichtung höherer Dämme, werden ebenso vehement abgelehnt wie jedes kritische Hinterfragen der Theorie. Wer Diagnose und Therapieplan nicht teilt, ist moralisch schlecht und nicht der Diskussion würdig.

Nicht nur der Mechanismus, auch die Personen, die nun auf der Universalschuld der Christen, Westler, Deutschen bestehen, die Strafzahlungen an jeden und alle, und letztlich die Abschaffung von Kirche, Abendland und deutscher Identität fordern, sind dieselben. Und immer fühlen sie sich dabei als die Guten, als moralisch und intellektuell Überlegene, frei von jedem Selbstzweifel. Dabei zerstören Sie unsere Gesellschaft.

Die Frage bleibt: Wieso tun sie es? Wo kommt dieser Selbsthass her? Es gibt sicher ein Bündel an Erklärungen. Ich denke aber, dass der wesentliche Begründungsstrang in die Religion führt. Wir leben in postchristlichen Zeiten. Gott ist tot. Das religiöse Bekenntnis ist in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr handlungsleitend. Gleichwohl leben christliche Vorstellungen in säkularisierter Form in unserer Kultur fort. Nach christlicher wie jüdischer Vorstellung ist der Mensch schuldbehaftet. Gott hat ihn gut geschaffen, aber durch die Sünde wurde der Mensch verwundet und ist nicht länger gut. Die Schuld der Sünde trennt ihn von Gott. Durch die Beachtung des Gesetzes und den Opfertod Christus am Karfreitag kann der Mensch die Sünde überwinden und wieder zu Gott gelangen. Das Christentum postuliert also die Schuld des Menschen und damit die Notwendigkeit einer Erlösung, die es zugleich verspricht. Ohne den Gottesglauben entfällt diese Möglichkeit der Erlösung, es bleibt nur die Schuld.

Das Gefühl der Schuld führt in den Selbsthass, der durch den Selbstmord befriedigt wird. Auch das ist ein biblisches Motiv, und zwar des Judas Iskariot. Das Neue am gegenwärtigen westlichen Selbsthass – der Begriff stammt vom Papst Benedikt XVI. – ist, dass er kollektiv und nicht individuell ist. Der Hass richtet sich nicht gegen die eigene Person, sondern die eigene kollektive Identität. In ihr sieht der Gutmensch die Quelle seines Unwohlseins. Weil diese Identität ihn mit den tatsächlichen oder angenommenen Verbrechen der Altvorderen verbindet, muss er sie loswerden. Er bricht also bewusst mit der Tradition, was er aber nur kann, weil er ihr angehört. Er will seine eigene kollektive Identität töten, um so die von ihr ausgehende Schuldverstrickung zu kappen.

Diese Erklärung hat die Empirie auf ihrer Seite. Die Träger des Selbsthasses sind überproportional oft in christlichen Milieus sozialisiert, haben aber den eigentlichen Gottesglauben abgelegt. Die Großkirchen, die sich spätestens mit dem aktuellen Papst Franziskus selbstsäkularisiert haben, sind Propagandisten dieses kollektiven Selbsthasses. Wer sich der Qual unterzieht, die Osterbotschaften deutscher Bischöfe zu lesen, kann es bestätigen. Es ist wie bei Hamlet: Was man ermordet, kommt als Gespenst zurück. Der aufgegebene christliche Gottes- und Erlösungsglauben begegnet uns nun als Selbsthass. Dementsprechend sind Kirchenferne ebenso wie konservative, gläubige Christen davon weitgehend verschont.

Der Selbsthass ist auf eine Minderheit beschränkt, aber es ist eine einflussreiche Minderheit, die zudem über die beträchtlichen Mittel der Kirchensteuer ebenso wie über die Mehrheit der geisteswissenschaftlichen Lehrstühle und der Journalistenstellen im Feuilleton verfügt. Zudem sind sie die nützlichen Idioten all jener, denen an einem schwachen Westen gelegen ist, dem radikalen Islam an erster Stelle.

Die Lösung besteht zunächst darin, den Mechanismus des kollektiven westlichen Selbsthasses offen zu benennen und seine Propagandisten mit dem Befund zu konfrontieren. Letztlich bedarf es einer Gesundung des Christentums. Wer sich nach Erlösung sehnt, sollte sie bekommen können: im Beichtstuhl, nicht im Plenarsaal, am Redaktionstisch oder im Universitätsseminar.

  1. Lieber Dr. Krah,
    ich denke, unsere „Inter-leck-tuellen“ wissen meist nicht, was sie tun. Der Selbsthaß begann wohl in den Sechzigern als Strategie von hungrigen jungen Linken, die die Alten vom Planeten schubsen wollten. Die Moralkeule für die Nazivergangenheit, später für alles und jedes, bot sich da an.
    Nachdem sich die Kultur des suspekten Eigenen durchgesetzt hatte, plapperten die nachrückenden Gymnasiasten und Studenten nach, was sie gehört hatten, ohne überhaupt noch zu wissen, was der eigentliche Sinn der Selbst-Abwertung war.

    Und eigentlich klappt der Trick heute immer noch sehr gut. Man kritisiert den tiefsitzenden „Sexismus“ und „Rassismus“ der deutschen Gesellschaft, und schon kommt man in die Medien und bekommt aufwandslose gutbezahlte Jobs in der Gender- und Asylindustrie.

    19. April 2017
  2. Dieter Fritsche #

    Herr Dr. Krahnert,
    eine bestechend klare Analyse. Genau so sehe ich es auch.
    Ihre Beträge begeistern mich jedes Mal.
    Vielen Dank.

    19. April 2017
  3. Ad #

    Schöne Analyse.Ich sehe hier mehr die Gruppenpsychologie. Schuldvorwurf als Mittel zur Umverteilung nach eigenen Moralvorstellungen. Schuldvorwurf ist wichtig, weil es keine Gegenleistung gibt. Und er wird auch nur demjenigen gegenüber erhoben, bei dem was zu holen ist. Ist nichts mehr zu holen, geht es zur nächsten Gruppe. Die Vorwürfe greifen natürlich die Spezifika derjenigen an, von denen man etwas kostenlos haben will. Es geht nicht um diejenigen, zu denen hin verteilt wird, es geht um die Gruppenstellung des Verteilers! Es geht nicht um Werte schaffen, sondern um die Macht sie zuzuteilen. Der Schuldvorwurf ist nur clevere Rethorik. Jeder, der die Sozialsystem erarbeitet hat und sich fragt, wie er im Alter denn abgesichert ist, wenn weiter so verteilt wird, ist dann halt schnell rechts und ausländerfeindlich.

    19. April 2017
  4. sachse #

    Sehr geehrter Herr Dr. Krah
    Sehr gute Analyse zu einer der Ursachsen warum sich dieses Land in eine immer tiefere Krise begibt….ohne Befund keine Therapie. Es gibt schon einige Befunde der konservativen Intelektuellen: es würde mich freuen wenn Sie in einen Ihrer nächsten Beiträge noch mehr zur möglichen Therapie schreiben könnten.

    Wie schnell das Kartenhaus der moralischen Selbsterhöhung zusammenbricht sieht man bei den Bürgschaften der Hessichen Flüchtlingshelfer: sobald es ans eigene Geld geht ist Schluss mit lustig.

    Bis bald, in der Hoffnung das dieses Land durch den Einzug der Alternative ins Bundesdeutsche Paralament die Überdosis „Moralin“ ab Herbst 2017 auf ein Normal-Maß therapiert

    19. April 2017
  5. Ich finde diesen Selbsthass zwar auch krank und gefährlich, aber ob er diese Ursachen -wie in dem Artikel beschrieben – hat, da habe ich doch meine Zweifel. Ich würde mich noch am ehesten als „Buddhistin“ bezeichnen und glaube durchaus, dass es so etwas wie Karma gibt, dennoch finde ich diese Art von kollektiver Selbstgeißelung, wie sie bei uns derzeit stattfindet, einfach nur krank. Sie fordert illegal eingereiste Straftäter gerade auf, uns zu misshandeln: „Die wollen es doch so.“ Statt eine vergangene Schuld zu „sühnen.“ sollten wie eher dazu beitragen, keine neue entstehen zu lassen: Also keine Waffengeschäfte, Konzerne, die unfaire Geschäfte in anderen Ländern machen oder die Natur zerstören, boykottieren, dafür lohnt es sich auf die Straße zu gehen. Ethische Politik machen. Ansonsten sollten wir unsere Demokratie verteidigen, Grenzen schließen, fremde Straftäter ausweisen.

    19. April 2017
  6. Harald #

    Und wo bleibt da der auf sorgsam stets neu generierten Schuldgefühl basierte Reibach?

    19. April 2017
  7. Arrow #

    Ja, wir brauchen nichts geringeres als eine Gegenaufklärung. Der Begriff “Aufklärung“ sollte überdies zum Unwort des zweiten Jahrtausends gekürt werden. Danach erst folgen Begriffe wie “Reformation“, “Menschenrechte“, “Demokratie“ und ja, auch “Freiheit“, auf den Plätzen.

    19. April 2017
  8. Ein ganz hervorragender Text, der sehr gut auf Ursachenforschung geht. Danke.

    19. April 2017
  9. Johann Meier #

    Was sich noch nicht überall verinnerlicht hat: Die deutschen Universitäten – insbesondere in Norddeutschland – haben sich zu linksextremistischen Horten entwickelt.
    Göttingen ist ein besonders krasses Beispiel.
    „….mit Universitätsabschluß“ ist ein wenig übertrieben, wenn die wohlwollende Schulbenotung zur Sprache kommt.
    Ein Staat, der hauptsächlich „Medienwissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Pädagogik “ produziert, muß sich nicht wundern, wenn sich solche „Blüten“ rasant ausbreiten

    19. April 2017
  10. keddy1992 #

    Hat dies auf Udos Blog rebloggt.

    19. April 2017
  11. Daniel B. #

    „Die Lösung besteht zunächst darin, den Mechanismus des kollektiven westlichen Selbsthasses offen zu benennen und seine Propagandisten mit dem Befund zu konfrontieren. Letztlich bedarf es einer Gesundung des Christentums.“
    Ja die Beichte ist bitter nötig denn:
    „Wenn aber jemand für die Seinigen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.“ 1. Tim 5,8

    Es steht „die Seinigen“ und nicht „alle Fremden“!

    19. April 2017
  12. Ingo W. #

    Ich las einmal das es eine Studie oder Umfrage unter Schülern gab wer nach seinem Tod wieder als Deutscher,Türke etc. geboren werden will.
    Bevor die KInder das 3 Reich durchgenommen haben waren die Zahlen ziemlich gleich,nachdem sie das 3 Reich durchgenommen hatten wollten die meisten Deutschen nicht mehr als Deutsche wiedergeboren werden.

    Das ist psychische Folter.

    In Polen gabs mal einen Fall in dem ein Deutscher KZ Besucher seinen Ausweis zerriss und nicht mehr nach Deutschland wolte und der war schon etwas älter.

    Das die halbe Welt mit Deutschland verbündet war,die Japaner sogar Biologische Waffen einsetzten und bei den AMis immer noch Rassentrennung herrschte(Schwarze lies man am ANfang nicht an die Waffen)wird wenn überhaupt nur am Rande erwähnt.

    Die meisten wissen es nicht aber das der Kampf der Schwarzen für Gleichberechtigung in den USA ging auf ihre Erfahrungen in Deutschland zurück,denn hier hatten sie im Gegensatz zu den USA die gleichen Rechte,sie konnten sogar mit Weissen Frauen reden ohne das sie angegriffen oder verhaftet wurden.Dann kamen sie in die USA zurück und waren wieder ganz unten…

    „The defeat of Nazi Germany and the participation of African American GIs in the military occupation only strengthened their determination. Drawing on the experience of soldiers stationed in Germany, these activists claimed that it was in post-Nazi Germany that black GIs found the equality and democracy denied them in their own country. “
    https://www.ghi-dc.org/events-conferences/event-history/exhibitions/african-american-civil-rights-and-germany.html?L=0

    Hört in der Schule natürlich niemand.

    19. April 2017

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  1. Woher der Selbsthass? | DR. MAXIMILIAN KRAH | udos-welt

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