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Jacob Schrot: Die Mär vom Niedergang der USA

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Der Abgesang auf die Vereinigten Staaten von Amerika ist schon oft erklungen: Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg aufgrund des schnell wachsenden Einflussbereiches der UdSSR, im Korea-Krieg, schließlich im Dschungel Vietnams und auch in der Gegenwart wird mit dem Schlagwort „China“ der Kreis Paul Kennedy‘s hin zum Fall einer weiteren großen weltgeschichtlichen Macht geschlossen. Ein nüchterne Blick auf die Faktenlage verrät, dass auch dieser Abgesang wieder einmal zu früh ertönt und dass auch das 21. Jahrhundert ganz maßgeblich von den Vereinigten Staaten geprägt werden wird.

IWF, Weltbank, UNO, WTO – Die internationale Ordnung basiert auf den Rahmenprinzipien, die die USA nach dem 2. Weltkrieg definierten und bis heute das Instrumentarium der multilateralen Diplomatie bilden. Ein Aufstieg des Reiches der Mitte zur geopolitischen Macht müsste dieses System mit einer Alternative ablösen wollen – aber wo sind die chinesischen Gegenmodelle? Die amerikanische Hegemonie hat sich in multilateralen Gremien verfestigt, ohne die nationale Handlungsfähigkeit signifikant zu beschränken. Liberalismus, Individualismus und Moderne, gehasst wie geliebt, können von einem Neonationalismus chinesischer Prägung in einer sich demokratisierenden Staatenwelt mangels breitem Konsens nicht abgelöst werden. Robert Kagan ist im Recht: Die amerikanische DNA der internationalen Ordnung ist nicht ohne Weiteres auszumerzen. Francis Fukuyama‘s Ende der Geschichte war sicherlich verfrüht, aber der kulturelle Einfluss Amerikas ist weltgeschichtlich nach wie vor unangefochten: Von den American Universities in aller Welt bis zu den Amerika-Häusern, von Coca Cola bis zur Jeans, von Hollywood bis Apple ist der American Way of Life, wiederum gehasst wie geliebt, von keiner ernsthaften Alternative herausgefordert. Die besten Universitäten der Welt stehen in Massachusetts und Kalifornien, nicht in Liaoning und Yunnan.

Eine Supermacht definiert sich nicht nur durch ihre ökonomischen Wachstumsraten, sondern durch ihre Bereitschaft, in der Welt Verantwortung zu übernehmen. Wo ist Chinas Führung im Arabischen Frühling, im wieder erhitzten Nahost-Konflikt, bei der Stabilisierung des nach wie vor labilen internationalen Finanzsystem? Der symbolische Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer scheint für China im Vordergrund zu stehen, während selbst Vietnam sich unter den amerikanischen sicherheitspolitischen Schutzschirm begibt und Birma sich in seiner wandelnden politischen Identität von Peking abwendet. Die Vereinigten Staaten geben jährlich fast 500 Milliarden Dollar für Rüstungsausgaben aus, was 50 Prozent der globalen Ausgaben entspricht. Trotz fiskalischer Klippe wird sich der Abstand zu China nur unwesentlich verkleinern: China gibt – nach eigenen Angaben – derzeit rund 30 Milliarden Dollar für seine Verteidigung aus und beschäftigt sich vor allem mit dem Aufbau einer Fundamentalstruktur, währenddessen US-Präsident Obama eine neue Drohnen-Generationen entwickeln lässt. Der Flugzeugträger der Chinesen ist ein ausrangiertes Schiff aus Sowjetzeiten, während die 7. US-Flotte im Pazifik die amerikanischen Sicherheitsgarantien eindrucksvoll unterstreicht. Das weltweite Netz an Militärbasen und die Kontrolle über GPS und das Internet leisten ihr Übriges. Die finanziellen Auswirkungen der chinesische Ein-Kind-Politik, das absehbare Ende zweistelliger Wachstumsraten und die schwelenden Immobilienblase werden Pekings Aufmerksam nach innen richten.

Politisch-institutionell, kulturell, militärisch, ökonomisch:  Der Abgesang auf Amerika ist verfrüht – einmal mehr.

Jacob Schrot wurde 1990 in Brandenburg a.d. Havel geboren und studierte zunächst in Dresden Politologie und Kommunikationswissenschaften, ehe er seine Studien in Washington DC fortsetzte. Neben seinem Studium arbeitet er für einen Kongressabgeordneten, berichtet für deutsche Medien und ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der „Initiative junger Transatlantiker“. Bekannt wurde er in Deutschland, als er die von Günther Jauch moderierte Castingshow „Ich kann Kanzler“ gewann. Jacob ist ein brillanter Kopf, vor allem aber ist er ein Mensch mit Werten, Prinzipien und Überzeugungen. Ihm geht es nicht um das Machbare, sondern um das Richtige, und er versteht es, dass Richtige auch machbar werden zu lassen. Wir trafen uns im Oktober 2012 in Washington, wo er mir bei einer Stadtführung seine Sicht auf die USA, Deutschland und die Welt erläuterte. Unter anderem sprachen wir über das amerikanische Imperium. Ich finde seine Analyse wert, diskutiert zu werden, und danke ihm, dass er sie für diesen Blog einmal kurz, knapp und klar zusammengefasst hat.

http://www.jacob-schrot.de                                                                                                                                                                  http://www.junge-transatlantiker.de

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