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Matthias Schäppi: How I met Max – Vita seines Protegé

Matthias Jean-Marie Schäppi at Harvard University

Neulich traf ich traf ich Maximilan Krah in New York. Wir waren Upstairs at Kimberly verabredet. Er besuchte – im Rahmen seines mittlerweile abgeschlossenen MBAs – ein Blockseminar an der Columbia University, ich genoss aus Boston kommend ein freies Wochenende in the city that never sleeps. Da wir uns längere Zeit nicht gesehen hatten, war die Freude groß wieder einmal bei Dom Pérignon über den Dächern Manhattans anzustoßen und uns über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu unterhalten…

Maximilian Krah? Dieser Name, den ich im Spätsommer Jahr 2006 zum ersten Mal hörte, sagte mir zum damaligen Zeitpunkt so gut wie nichts. Er stellte sich der versammelten Oberstufe des damaligen Don-Bosco-Gymnasiums (1983-2007) als Rechtsanwalt aus Dresden vor, der sich um ein paar rechtliche Belange unseres internationalen Internats kümmere. Als amtierender Schulsprecher lernte ich ihn bei einem Gespräch kennen. Er gab mir seine eMail-Adresse mit dem Hinweis, ihn einfach zu kontaktieren, so ich bei Gelegenheit Rat bräuchte.

Früher als erwartet habe ich mich dann an ihn gewandt, da ich vor der Entscheidung stand, auf das verlockende Angebot des Chefredakteurs einer Regionalzeitung einzugehen, der mich unmittelbar nach meinem Abitur als Volontär einstellen wollte, oder aber den akademischen Weg mit einem universitären Studium einzuschlagen. Maxmilian schaffte schnell Klarheit, indem er den aufgesetzten Vertrag zerriss und mich überzeugte, dass kein Weg an einem Studium vorbeiführen würde. Ich war unschlüssig und im Zweifel.

Als mich dann folgende Zeilen von Maximilian erreichten war das Studium für mich beschlossene Sache: Ich empfehle Dir dringend ein Uni-Studium. Nicht unbedingt wegen des Wissens, sondern wegen der Sozialisation. Die Uni ist der Platz zum a) Austoben und b) – noch wichtiger – zum Netzwerke knüpfen. Dort bildest Du die Seilschaften fürs Leben. Bei Dir ist die Uni also nicht die Summe der Kurse, sondern ein soziales Umfeld, um Bildung als Synthese von Wissen und Können aufzunehmen. Du hast alle Chancen: Gehe an die Uni! Erlerne den akademischen Habitus. Wenn Du es nicht tust, bereust Du es ewig…

Nach meinem Abitur 2007 ging ich zunächst zurück in die Schweiz, um meiner Verpflichtung im Dienste der Schweizer Armee nachzukommen. In Zürich, Winterthur und Sion machte ich schneller als erwartet Militärkarriere (Hauptfeldwebel) und nahm das Studium der Germanistik, Jurisprudenz und der Politikwissenschaft erst im Jahr 2008 auf. Ich überlegte, mich in Freiburg oder Stuttgart einzuschreiben, doch Max meinte, München wäre einen Zacken besser. Dies bewahrheitete sich und so immatrikulierte ich mich an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Während ich mich also die ersten paar Semester an der Uni austobte und mich in der katholischen Studentenverbindung Aenania sozialisierte, lud mich Maximilian zu „Bildungswochenenden“ nach Dresden ein. Wir unterhielten uns über bürgerliche Werte, Konservatismus und den Begriff des Politischen. Später, nach meiner Zwischenprüfung (B.A.) meinte Max, dass es jetzt an der Zeit wäre, neue Erfahrungen während eines Auslandsjahres zu sammeln. 2010 ging ich nach Paris und studierte an der Sorbonne IV Französische Kulturwissenschaft. „Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum“ – Ein Sommer in Paris veränderte meine Welt und weckte neue Lebensgeister.

Zurück in München nahm ich mein Hauptstudium auf, und nachdem ich die für das Examen nötigen Scheine zusammengetragen hatte, entschied ich mich – ich hatte in Paris eindeutig Blut geleckt – noch einmal ins Ausland zu gehen. Diesmal zog es mich in das Mekka der Eliten, an die US-East-Coast. „Amerikanische Verhältnisse werden Dir gefallen“, freute sich Maximilian über meinen Entschluss, ein Semester an der Harvard University zu studieren. Nach einer harten Aufnahmeprüfung gehörte ich dazu, zu den Chosen, den Auserwählten, die den Sprung nach Harvard, dem Gold-Standard der Bildungsindustrie, geschafft hatten. Noch vor wenigen Jahren hätte ich dies noch nicht mal zu denken gewagt.

Da saßen wir nun in der angesagten rooftop Bar des Kimberly Hotels auf Höhe 50th Street und Max erläuterte mir bei unserem Ivy-League-Treffen ganz chez nous die nächsten strategischen Schritte des claim to fame, während ich mich an ein Plakat in der City erinnerte, welches als Motto der Stadt New York ausgerufen wurde: „Think big or go home“ – und ich fragte mich, wo eigentlich der Unterschied zur Lebensphilosophie Maximilians sei?

In einem Jahr werde ich meine Studium mit dem Magister Artium (vorläufig) abschließen. Danach folgt die Promotion. Später nach Berufserfahrung ein MBA. „Jeder Abschluss ist nur ein Sprungbrett und niemals eine Hängematte“, sagt Max. Mittlerweile habe ich das verinnerlicht…

Ich traf Matthias Schäppi im Jahre 2006 das erste Mal, als er kurz vor seinem Abitur stand. Fünf Jahre später studierte er in Harvard – und gewann dort einen Preis für gutes Schreiben. Chapeau! Matthias ist der erste in seiner Familie, der ein Universitätsstudium absolviert. Ich bin dankbar, dass ich ihn motivieren konnte, den Sprung zu wagen. Dass es richtig war, zeigt sein bisheriger Weg. Und der ist noch lange nicht am Ende. Matthias, danke für diesen Text, aber der eigentliche Star bist Du! – MK

  1. PNP #

    Nett und erfrischend, Ihr Protégé.
    Übrigens, van Laack hat sich gemeldet, er hätte von MSchäppi gehört, ich sei krank.
    Ihren Beitrag ui Beethovens Fünfte würde BW verächtlich als Kollektion abtun: „Spielen muss man sie können…“
    Gruss Ihr PNP

    30. März 2012

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